- Was haben ePortfolios mit Lernen zu tun?
Auf den ersten Blick ist die Frage berechtigt, doch sicherlich nur auf den erstern Blick. Im angloamerikanischen Raum werden ePortfolios in der Lehre bereits seit ca. 10 Jahren eingesetzt. Ein Portfolio ist eine Zusammenstellung von digitalen Artefakte (Textdokumente, Bilder, Videos, Animationen, etc.), die einen Lernprozess, einen Ausschnitt aus dem oder gar den ganzen Weiterbildungswerdegang eines Individuums veranschaulichen bzw. dokumentieren und beschreiben (vgl. Schrack 2005, 1; Hornung-Prähauser 2006, 6; Siemens, 2004, online; Stangl o.J., online). In einem ePortfolio können auch selbst erworbene Fertigkeiten und Qualifikationen aus dem nichtberuflichen Umfeld angeführt werden. Das Ziel ist eine persönliche, digitale Sammlung von Informationen und Leistungsnachweisen. Neben der Dokumentation von erworbenen Qualifikationen werden auch die damit verbundenen Lernvorgänge als Prozess erfasst (vgl. Schrack 2005, 1). Das ePortfolio wird somit zum selbstreflexiven und selbstreflektierenden Lerntagebuch, welches den lebenslangen Lerner über die Jahre begleitet. Es hilft ihr/ihm bei einer internen rückblickenden Selbstbeurteilung der Qualität der eigenen Leistungen. Gleichzeitig kann das ePortfolio aber die Leistungen nach aussen als repräsentative digitale Werkmappe präsentieren. Darum ist es wichtig, dass der Eigentümer des ePortfolios die volle Kontrolle (was kommt rein? – für wen ist es zugänglich?) darüber hat (vgl. Schrack 2005, 1).
- Wozu kann man sie im universitären Bereich als Lern- & Arbeitstechniken einsetzen? Was können ePortfolios (+ auch Weblogs) für Lernen und Wissenserwerb beitragen?
(vgl. Bräuer 2003)
Dieses Diagramm zeigt wohl die wichtigesten Aspekte und Einsatzgebiete eines ePortfolios. Ein ePortfolio ist nicht notwendigerweise an eine bestimmte Software gebunden. Es ist viel mehr die Idee die hinter einem ePortfolio steckt. Neben CMS eignen sich auch Weblogs für die Entwicklung eines Portfolios. Im privaten Bereich unterstützt ein ePortofolio das (Selbst) reflexive Lernen. Gleichzeitig soll das eigenen ePortfolio innerhalb einer Lerngruppe im Sinne eines konstruktivistischen Lernparadigmas kommunizierbar bzw. diskutiebar werden. Es stehen nicht ausschliesslich Ergebnisse im Vordergrund, sondern es handelt sich viel mehr um eine Lernkompetenzentwicklung. Es geht darum innerhalb einer Gruppe Lösungsstrategien für ein komplexes und realistisches Problem zu finden. Dies wird in der Literatur oft als „goal-based training“ bezeichnet oder auch „action learning“ (Revans 1998). Im universitären Bereich kann man eine konstruktivistische Lehrmethode wohl nur in Seminaren umsetzen. Hierbei fungiert der Lehrveranstaltungsleiter als Moderator, der den Studenten Inputs und Hilfestellung gibt bei der selbstständigen Ausarbeitung eines Themas.
- Welche lerntheoretischen Grundannahmen und pädagogischen Schulen werden mit ePortfolios (in Zusammenhang mit den Themen Lernen und Wissensgenerierung) öfters in Verbindung gebracht? Was ist ein wesentlicher Gesichtspunkt gegenüber anderen Lernformen?
Im Zuge einer (selbst) reflexiven Auseinandersetzung mit den eigenen Momentaufnahmen (Lernprodukten) des Lernprozesses wird eine Metasprache entwickelt, wie es Baumgartner postuliert (vgl. Baumgartner 2005, 3). Diese wiederum fördert den Aufbau von metakognitiven Lernkompetenzen. ePortfolios sind eine deutliche Umsetzung von konstruktivistischem Lernen. Behaviorismus ist das Gegenstück zum konstrukitivistischen Lernen. Dieser ist Ergebnissorientiert und funktioniert nach einem Stimulus-Response Modell mit Belohnungen. Als Beispiel kann man hier Vokabellernen anführen. Es gibt nur entweder richtig oder falsch. Beim Kognitivismus geht es bereits um den Lernprozess. Allerdings interessiert sich dieser vorwiegend um die kognitivistischen Abläufe im Gehirn und man geht davon aus, dass wenn man verschiedene Lerner mit den gleichen Informationen füttert, es zum selben Lernergebniss kommt, weil das menschliche Gehirn bei jedem gleich, ähnlich einem Computer abläuft. Beim Konstruktivismus rückt der Lerner mit seinem persönlichen Vorlieben, Vorwissen und sozialen Kontext in den Vordergrund. Die ePortfolio ist, wie allgemein der Kosntruktivismus, klar Lernerzentriert.
Quellen:
BAUMGARTNER, Peter (2005). Eine neue Lernkultur entwickeln: Kompetenzbasierte Ausbildung mit Blogs und E-Portfolios. In: HORNUNG-PRÄHAUSER, Veronika (Hg.): ePortfolio Forum Austria 2005. Salzburg, Österreich. 33-38.
In: http://bt-mac2.fernuni-hagen.de/peter/gems/eportfoliodeutsch.pdf, aufgerufen am 12.06.06
Bräuer, G. (2003) Schreiben als reflexive Praxis. Tagebuch, Arbeitsjournal, Portfolio. Freiburg: Fillibach
HORNUNG-PRÄHAUSER, Veronika (2006). Lernen durch aktives Reflektieren – Stand der Forschung zu Einsatz und Rolle von ePorfolios. In: Salzburg Research. EduMedia Fachtagung – Social Skills durch Social Software.
In: http://eportfolio.salzburgresearch.at/images/stories/Fachtagung2006/track1-1_hornung-pr%E4hauser.pdf, aufgerufen am 15.06.06
Revans, R. (1998). ABC of action learning: Empowering managers to act und to learn from action. London: Lemos & Crane.
SCHRACK, Christian (2005). ePortfolio – eine Zukunftsoption für die europäische Bildung? In: http://www.ocg.at/elpa/files/elpa2_schrack.pdf, aufgerufen am 23.06.06
SIEMENS, George (2004). ePortfolios.
In: http://www.elearnspace.org/Articles/eportfolios.htm, aufgerufen am 24.06.06
STANGL, Werner (o.J.). Portfolio.
In: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/PRAESENTATION/portfolio.shtml, aufgerufen am 26.05.06






